CREATIVE CONCEPTS

André Puchta | Experte für Kommunikation,

Employer Branding, Personalmarketing & Public Affairs

Creative Concepts: Ideen, die auffallen dürfen und trotzdem Substanz haben


Auffallen ist für André Puchta keine Option, sondern eine kommunikative Notwendigkeit. In einer Welt, in der täglich tausende Botschaften auf uns einprasseln, reichen Routine und Konvention selten aus, um wirklich hängen zu bleiben. Seine Konzepte entstehen dort, wo Storytelling, Reichweite und Mut zusammenkommen – und wo eine Idee nicht nur „laut“, sondern auch erzählbar, anschlussfähig und im besten Sinne teilbar ist.


Ein frühes Beispiel dafür war 2007 eine Anfrage einer Agentur zur kommunikativen Markteinführung einer regionalen Suchmaschine. Der Ansatz mit ausdruckbaren Rabatt-Gutscheinen und dem Versprechen eines „Kauferlebnisses in der unmittelbaren Umgebung“ wirkte solide, aber austauschbar. Der Geschäftsführer setzte dennoch auf André Puchtas „Kopf der tausend Ideen“ – und genau daraus entwickelte sich ein Prinzip, das ihn fortan begleitete: die Obazda-Option, sein persönlicher Notfallplan zur medialen Aufmerksamkeitssteigerung herausfordernder Themen – ein original fränkisch-bayerisches „PRezept“.


Hinter dem augenzwinkernden Namen steckt ein ernstzunehmender Kreativ-Mechanismus: O wie Omas, Opas und Optimismus, B wie Babys, Barbaren und Bekloppte, A wie Affen, Ärsche und Abgründe, Z wie Zahlen, Zärtlichkeiten und Zweideutigkeiten, D wie Diven, Därme und Dramen, A wie Aufbruch, Ausstrahlung und Authentizität. Die Idee dahinter ist simpel und wirksam: Putzige Senioren, leuchtende Kinderaugen, Tiere, emotionale Extreme oder überraschende Perspektiven holen selbst spröde Inhalte aus der Abstraktion und geben Publikum wie Medien einen Anker – ein Lächeln, eine Reibung, einen Gesprächsanlass.


Dass diese Logik in der Praxis funktioniert, zeigte 2015 auch die Popkultur: Die Deutsche Telekom eroberte mit Hipster-Oma Charlotte Heins die Spitze der deutschen YouTube-Charts; im gleichen Jahr löste das Start-up Amorelie mit Plakaten wie „Multiple Orgasmen für 79,90 Euro“ in Berlin eine breite Diskussion aus – günstiger als jede klassische Anzeigenkampagne.

Die Obazda-Option: Ein fränkisch-bayerisches Kreativrezept


Wie konsequent André Puchta mit solchen Mechanismen arbeiten kann, belegte 2007 eine Aktion für ein verlagsunabhängiges Online-Frauenportal: 3.641 Menschen wurden befragt – „Vierbeiner oder Ehegatte: Wen setze ich vor die Tür?“ 83 Prozent der Frauen entschieden sich für den vierbeinigen Partner. Der O-Ton blieb hängen: „Es gibt genug Männer, aber nur einen Hund. Er betrügt mich nicht und versaut mir schlimmstenfalls die Couch, aber nicht gleich das ganze Leben.“


Der Aufschrei folgte prompt. Der Pressesprecher des Deutschen Tierschutzbundes gab sich einfühlsam, das Männermagazin GQ kommentierte trocken, „der Mann wird sich auf freier Wildbahn schon irgendwie zu helfen wissen“. Eine einfache Frage wurde zur Debatte – und damit zum Reichweitenmotor.


Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit war Guerilla-Marketing. Für ein internationales Multimedia-Portal suchte André Puchta „Deutschlands kuhlste Kuh“. Damals existierten noch rund 374.500 landwirtschaftliche Betriebe – und die Reaktionen in Redaktionen schwankten zwischen Irritation und Faszination. Zwei Redakteure knallten den Hörer auf, einer wollte wissen, was er geraucht habe, vier wussten nicht einmal, dass es Kuhfriseure gibt.


André Puchta ging „den Kühen auf den Fladen“, suchte die Schönste im Land, stellte den Muh-Award und ein exklusives Fotoshooting in Aussicht – und zeigte nebenbei, wie aus einem scheinbar schrägen Thema ein anschlussfähiger Markt wird. Heute gehören Schwarz-Weiß-Wandbilder von Kuhglocken oder tapsigen Kälbern längst zum Lifestyle-Mainstream.

Prinzip Aufmerksamkeit: Wenn Ideen nicht nett sein müssen


Legendär wurde auch „Klimbim auf dem Oktoberfest“: Für denselben Kunden schickte André Puchta 2007 eine falsche Mireille Mathieu auf die Wiesn – mit schwarzem Haar, vollen Lippen und typischem französischen Akzent. Sein persönlicher „Spatz von Avignon“ hieß Walburga, wohnte in München und sah dem Weltstar erschreckend ähnlich. Was fehlte, war die passende Begleitung – und die fand er in Johanna aus Wuppertal, der völlig durchgeknallten Kandidatin der vierten DSDS-Staffel („Ich hab die Haare schön. Dabei ist alles!“).


Er versprach ihr ein Dirndl, holte sie mit einer Kollegin direkt vom Flughafen ab in den Trachtenladen, arrangierte über eine Studentenvermittlung einen Fanclub strammer Jungs samt Plakaten („Johanna, ich will ein Kind von dir“, „Rummelplatz der Liebe“) und baute eine Story, die Boulevard und Passanten gleichermaßen triggert: Johanna aus Wuppertal und Mireille aus Paris hätten sich im Internet angefreundet – nun das Bonding auf dem Oktoberfest, Hand in Hand, mit Lebkuchenherzen mit Kundenlogo, Kamerateam und gefakten Bodyguards.


Dieter Bohlen kommentierte später: „Man denkt nach jeder Staffel, Beklopptere können nicht mehr kommen. Aber auch das kann alles übertroffen werden.“ Die Verwirrung war perfekt. BILD Online titelte über „Promis auf dem Oktoberfest“ – und ging der Inszenierung auf den Leim. Reingelegt. Für André Puchta war es eine innere Genugtuung – und karrieretechnisch ein Signal, dass mutige Ideen Türen öffnen können.

Kuhlste Kuh trifft auf Klimbim


Dass seine Kreativität nicht nur auf Provokation, sondern auch auf Purpose einzahlt, zeigt ein Charity-Format, das ebenso schräg wie wirkungsvoll war: Für den Dauertalk „Wer schweigt, verliert“ (30 Stunden, 45 Minuten) verkuppelte André Puchta im März 2010 Dackel Paul mit Fleischer Franz, Pfarrer mit Domina, Bürgermeisterin mit Schädlingsbekämpfer, Schornsteinfeger mit Sprengmeister und Dudelsackspieler mit Märchenerzähler. Jede gesprochene Minute wurde mit einem Euro zugunsten der Aidshilfe Köln versilbert.


Dazu kam ein bewusst wilder Mix an Gästen: Schamanin und Wahrsagerin Daniela, Clown Francesco, der Chef des Mietervereins, die Jecken der Rosa Funken, Gourmet-Kritiker Marcellino, Hypnotiseur Gert, Frauenversteher Maximilian (Mitbegründer der deutschen Pick-up-Szene) – und als Höhepunkt Madame Dominique, die die Runde „von Ekstase zu Ekstase“ trieb, bis Moderator Robert Schön um Erlösung bettelte. 30 Stunden und 45 Minuten hielten die Hosts schlaflos durch.


Auch Marken-Entertainment lag ihm: Im März 2010 reiste André Puchta „arschkalt frierend“ nach Thüringen und betreute für den deutschen Lebensmittelhersteller Krüger das Sponsoring-Engagement bei der von ProSieben zum achten Mal ausgerichteten Wok-WM in Oberhof. Teilzeit-Athleten rasten in modifizierten asiatischen Woks eine Rennrodel- und Bobbahn hinunter; als exklusiver Partner begleitete Krüger das Qualifying, auf der Chai-Latte-Rampe wurden Startpositionen ermittelt.


Ein handgearbeiteter Stahlblech-Wok füllte zwei vierstündige Live-Sendungen zur Prime Time – eine gewölbte Pfanne zur Hauptsendezeit. André Puchta liebt genau diese Momente, in denen Absurdität zum Gespräch wird und Marke plötzlich Kulturkontakt hat.

Guerilla, Glamour, global: Von der Kuh bis zur Handtaschen-WM


Aus einer Beobachtung wurde später sein wohl bekanntestes Konzept: Wenige Wochen nach der Wok-WM sah er in einem Café auf der Kölner Ehrenstraße durchs Fenster den sekunden­schnellen Raubversuch einer Handtasche. Er las sich in Studien ein und stieß auf eine Zahl, die ihm als Storyhaken nicht mehr aus dem Kopf ging: Frauen verbringen etwa 76 Tage ihres Lebens damit, in Handtaschen zu wühlen. Warum fristen diese „treuen Begleiterinnen“ ein Schattendasein?


Auf einem Parkplatz vor dem Studio der Harald-Schmidt-Show in Köln-Mülheim warf er die mit Sand befüllte Handtasche seiner PR-Volontärin Sarah Schürmann so beherzt, dass sie auf der Plane eines LKW landete – Sarahs Tag war gelaufen, seiner auch. Aber die Idee war geboren. Im Frühjahr 2011 konzipierte André Puchta die HTWWWM, die offizielle Weltmeisterschaft im Handtaschen-Weitwurf. Der Movie Park Germany in Bottrop-Kirchhellen sagte nach kurzer Bedenkzeit zu: „Wir machen das, auch wenn wir keine Ahnung haben, wohin das führt.“


Im Juni 2012 folgte die Pressekonferenz, der Raum platzte aus allen Nähten, eine WDR-Reporterin fragte misstrauisch: „Ist das Ihr Ernst oder entdecken wir gleich die versteckte Kamera?“ Selbst beim Probe-Weitwurf ging es zur Sache: Eine Muster-Handtasche beschädigte eine mobile WDR-Kamera, André Puchta stand kurz vor einer ausgerenkten Schulter – und schlüpfte endgültig in die Rolle des Ideengebers, Organisators und Pressesprechers einer zunächst belächelten Spaßveranstaltung.


Die HTWWWM wurde von Sommer 2012 bis 2016 im Movie Park Germany ausgetragen, arbeitete mit vier Wurfdisziplinen (Stoßen, Freestyle, Diskuswurf und Kurbelwurf), mit leihweise gestellten, vor Ort gewogenen und vor dem Wurf verplombten Handtaschen sowie einer Jury, die neben Weite auch technische Ausführung, Choreografie, Ausstrahlung, Requisiten, Schminktechnik und Schuhwerk bewertete. Eine in den Niederlanden angefertigte Wandertrophäe aus Kupfer – das „Goldene Täschchen“ – gehört bis heute zu André Puchtas in Berlin beheimateten Erinnerungsstücken.

Weltweite Medienpräsenz: Bilder, die im Kopf bleiben


Der Erfolg war global: Mehr als 950 Medien aus 22 Ländern berichteten über die HTWWWM, darunter CNN, der Myanmar International TV Channel, die türkische Tageszeitung Hürriyet, der pakistanische News Channel Abb Takk, der iranische Auslandsfernsehsender Press TV, rediff und WION in Indien, THVL in Vietnam, Sada Al-Balad im Libanon, SAPO in Portugal, minutouno in Argentinien und die Agenzia Nazionale Stampa Associata in Italien. Die HTWWWM schaffte es in Rankings (Welt der Wunder: Platz 4 der zehn ausgefallensten Veranstaltungen in Europa im April 2015; Deutsche Welle: Platz 8 der zehn schrägsten Veranstaltungen in Europa im April 2016), wurde von der BILD zu den zehn verrücktesten Wettbewerben und Festivals weltweit gezählt und bekam sogar eine eigene Folge in der BR-Serie Dahoam is Dahoam (Episode 1.614).


Prominente Gast-Juroren wie Roberto Blanco, Margarethe Schreinemakers, Natascha Ochsenknecht, Sarah Knappik oder Eva von den Jacob Sisters sorgten zusätzlich für Aufmerksamkeit. Sportlich setzte Stefan Koopmann 2016 mit 46,20 Metern eine Bestmarke – und nach fünf Sommern beendete André Puchta das Format bewusst, um es nicht beliebig werden zu lassen. Der Weltrekord entsprach damals, wie er selbst augenzwinkernd rechnete, der Länge von fünf afrikanischen Steppenelefanten, 27 Reiner Calmund (vor dessen Magenbypass-Operation) oder 355 iPhones.


Was André Puchta an Creative Concepts auszeichnet, ist jedoch nicht nur der Mut zum schrägen Gedanken, sondern die Fähigkeit, ihn in glaubwürdige Dramaturgie zu übersetzen – und daraus mediale Mechanik zu machen. Dieses Talent zeigt sich auch in seiner späteren Kommunikationsarbeit: Zur Einweihung von Berlins modernster Einrichtung für Alters- und Palliativmedizin im Frühjahr 2019 übersetzte er für das Sana Klinikum Lichtenberg komplexe Bau- und Infrastrukturleistungen in Bilder, die jeder sofort versteht: 800 Tonnen Stahl wurden zu einer Million Hüftendoprothesen, 600 Betonmischer zu 4.838 Rollatoren, 600 Meter Kleinbohrpfähle zu 845 aneinander gelegten Stethoskopen. Genau das ist sein Prinzip: Komplexität so erzählen, dass sie hängen bleibt.


Sein persönliches Learning zieht sich wie ein roter Faden durch all diese Projekte: Wer sich zu früh verschenkt, macht sich klein. Kreative Konzepte brauchen Mut, Konsequenz und den Glauben an die eigene Idee – gerade dann, wenn andere zuerst belächeln. Für André Puchta gilt: Noch der schrägste Traum kann sich zu einem Knaller-Projekt entwickeln, wenn man Gegenargumente ernst nimmt, sie prüft – und dann trotzdem losgeht.


Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.